Zeitwertkonto

Ein Zeitwertkonto (ZWK) ist ein betriebliches Modell, mit dem Mitarbeiter Zeit oder Geld – zum Beispiel Überstunden, Urlaubstage oder Gehaltsbestandteile – ansparen können, um diese für spätere Freistellungsphasen wie Sabbaticals, Pflegezeiten oder einen gleitenden Übergang in den Ruhestand zu nutzen. Für Unternehmen bietet das Zeitwertkonto eine attraktive Möglichkeit, die Mitarbeiterbindung zu stärken und gleichzeitig moderne Arbeitszeitmodelle zu unterstützen.

Definition und Funktionsweise

Ein Zeitwertkonto ist ein persönliches Wertguthabenkonto, auf dem Mitarbeiter*innen freiwillige Beiträge ansammeln können. Diese Beiträge können entweder in Zeit (z. B. Überstunden) oder Geld (z. B. Weihnachtsgeld oder Gehaltsteile) erfolgen. Das Guthaben wird sicher angelegt und verzinst, bis es von den Mitarbeiter*innen genutzt wird.

 

Schlüsselfunktionen des Zeitwertkontos:

  • Flexibilität: Arbeitnehmer können individuell entscheiden, welche Beiträge sie leisten und wann sie diese nutzen möchten.
  • Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit: Die Einzahlungen erfolgen aus dem Bruttogehalt, wodurch sich Steuervorteile ergeben.
  • Sicherheit: Gesetzliche Regelungen wie der Insolvenzschutz stellen sicher, dass das angesparte Guthaben geschützt ist.

 

Vorteile für Unternehmen und Mitarbeiter*innen

 

Für Unternehmen:

  • Mitarbeiterbindung: Zeitwertkonten steigern die Attraktivität des Unternehmens und tragen dazu bei, qualifizierte Fachkräfte langfristig zu binden.
  • Work-Life-Balance: Durch flexible Freistellungsmöglichkeiten wird die Zufriedenheit und Produktivität der Belegschaft erhöht.
  • Employer Branding: Als moderner Arbeitgeber punkten Unternehmen bei potenziellen Bewerbern mit innovativen Vorsorgemodellen.

 

Für Mitarbeiter*innen:

  • Langfristige Planung: Zeitwertkonten ermöglichen eine gezielte Vorbereitung auf Sabbaticals, Elternzeit oder den vorzeitigen Ruhestand.
  • Steuerliche Vorteile: Die Nutzung von Bruttobeträgen reduziert die Steuerbelastung.
  • Flexibilität im Lebensverlauf: Mitarbeitende können Lebensphasen individuell gestalten und finanzielle Engpässe vermeiden.

 

Anwendungsbeispiele – So nutzen Unternehmen das Zeitwertkonto in der Praxis

  • Sabbatical: Ein Mitarbeiter nutzt sein angespartes Guthaben, um für sechs Monate eine Weltreise zu machen.
  • Pflegezeit: Eine Mitarbeiterin kann sich dank des Zeitwertkontos mehrere Monate freistellen lassen, um sich um ein pflegebedürftiges Familienmitglied zu kümmern.
  • Vorruhestand: Ein Mitarbeiter tritt zwei Jahre früher in den Ruhestand ein, finanziert über das angesparte Guthaben.

 

Wie viel Guthaben Ihre Mitarbeitenden in welchem Zeitraum ansparen können, zeigt unser Zeitwertkonten-Rechner

 

Häufige Fragen

 

1. Was ist ein Zeitwertkonto und welchen Nutzen hat es für unser Unternehmen?  Ein Zeitwertkonto ist ein flexibles und in Geld geführtes Arbeitszeitmodell, mit dem Mitarbeiter*innen ihre Arbeitszeit oder Entgeltbestandteile ansparen können, um zu einem späteren Zeitpunkt berufliche Auszeiten wie Sabbaticals, Pflegezeiten oder einen Vorruhestand zu finanzieren. Für Arbeitgeber bietet das Zeitwertkonto Vorteile wie die Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung, eine höhere Flexibilität bei Personalanpassungen (Vorruhestand) sowie die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber.

 

2. Welche rechtlichen Anforderungen und Rahmenbedingungen müssen Arbeitgeber bei der Einführung eines Zeitwertkontos beachten?  Die Einführung eines Zeitwertkontos ist in § 7 b SGB IV dokumentiert. Es gibt wenige, aber wichtige Anforderungen aus dem Arbeits-, Steuer- und Sozialversicherungsrecht zu erfüllen. Wichtig ist die rechtskonforme Gestaltung der Zeitwertkontenvereinbarung, bspw. in Form einer Einzelzusage oder einer Betriebsvereinbarung, wenn ein Betriebsrat vorhanden ist. Unterstützung bei der Ausarbeitung der rechtlichen Rahmenbedingungen bieten spezialisierte Rechtsdienstleister wie PensLegal der PensExpert Gruppe.

 

3. Welche Risiken bestehen für den Arbeitgeber bei der Einrichtung eines Zeitwertkontos?  Arbeitgeber müssen die Zeitwertkonten gegen die eigene Insolvenz des Unternehmens absichern, § 7 e SGB IV. Um dieser Anforderung gerecht zu werden, empfiehlt sich eine Absicherung durch ein entsprechendes Treuhandmodell, so der Gesetzeswortlaut. PensExpert bietet hierfür standardisierte Treuhandlösungen, um das Unternehmen und die Rechte der Arbeitnehmer*innen abzusichern. Eine Treuhandlösung kann ab einer Person kostengünstig eingerichtet werden.

 

4. Was passiert mit dem Zeitwertkonto bei einem Störfall? Ein Störfall tritt auf, wenn das angesparte Wertguthaben nicht wie vereinbart für eine Freistellung genutzt werden kann – zum Beispiel bei Kündigung, Erwerbsminderung, Tod des Arbeitnehmers oder Insolvenz des Arbeitgebers. Geregelt ist dies in § 23b SGB IV. Im Störfall werden Sozialversicherungsbeiträge auf den beitragspflichtigen Teil des Wertguthabens fällig. Für das verbleibende Guthaben gibt es drei Optionen: Übertragung auf die Deutsche Rentenversicherung Bund, Übertragung auf den Folgearbeitgeber (mit dessen Zustimmung) oder Auszahlung bei Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses. Wichtig für Arbeitgeber: Ein Störfall kann auch durch den Rentenversicherungsträger im Rahmen einer Betriebsprüfung festgestellt werden – etwa wenn der Insolvenzschutz des Wertguthabens unzureichend ist. In diesem Fall besteht eine Frist von zwei Monaten, um den Mangel zu beheben und den Störfall abzuwenden. PensExpert begleitet Arbeitgeber bei der Bewertung der Situation und der Umsetzung der passenden Lösung.

 

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